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Datenshutzfalle Kopierer
Jul 5th, 2007 | By Phil v. Sassen | Category: GeekVor ein paar Tagen musste ich wieder einmal in den Copy-Shop meines Vertrauens. Meine Dokumente hatte ich auf einem USB-Stick bei mir. In der heutigen Zeit ist dieses Medium praktischer als das Brennen von CDs. Die Dateien werden auf den Stick kopiert und können von den „Copy-Boys“ problemlos abgerufen werden.
In meinem Fall wurden die Daten via eines Apple-Rechners abgerufen und an einen Print-Server weitergeleitet, der die Datei für den Druck finalisierte und auf einem Xero-Printer ausgab. Bei einem flüchtigen Blick auf den Bildschirm des Print-Servers konnte ich die Disk-Quote einsehen. 23 Gigabyte von 28 Gigabyte waren bereits mit Druckaufträgen belegt. Diese Information liess die Alarmglocken in meinem Kopf läuten. In kürzester Zeit wurden drei Kopien meiner Dateien auf unterschiedlichen Geräten abgelegt. Ich bat den „Copy-Boy“ die Datei sowohl auf der Apple-Kiste als auch auf dem Print-Server zu löschen (auf den Drucker konnten meine Daten nicht gelöscht werden) und sprach ihn auf das frappierende Datenschutzproblem an. Ihm war das Problem nicht bekannt. Geht man von einer durchschnittlichen Dateigrösse von 20 MB (0.01953 Gigabytes) aus, dann liegen in den 23 Gigabyte (23552 Megabytes) ca. 1.200 Druckaufträge. Unter den Aufträgen dürften sich viele sensitive Dateien, wie Lebensläufe, Diplomarbeiten, behördliche Dokumenten sowie Gutachten befinden.
Zwar war man sich vor Ort nicht über das Ausmass des Datenschutzproblems bewusst, man zeigte jedoch grosse Interesse an dem Thema. In wenigen Sekunden konnte ich dem staunenden „Publikum“ mit Hilfe von Google zeigen, dass man jede Kopie nachverfolgen kann. Die eingesetzten XEROX-Geräte bannen neben dem Druck bzw. der Kopie nämlich einen digitalen Fingerabdruck auf das Papier. Mehr Informationen zum Thema sowie dem „DocuColor Tracking Dot Decoding“ bietet die Electronic Frontier Foundation. Wer sich Sorgen um seinen Drucker oder Kopierer macht, das sollte das Gerät in der Übersicht der EFF nachschlagen.
Neben dem digitalen Fingerabdruck bringen digitale Kopien ein weiteres Risiko mit sich. Alle Kopien werden nebst personenbezogenen Daten auf internen Festplatten gespeichert. Durch dieses Verfahren wird die Kopierzeit erheblich gesteigert, es sorgt jedoch ebenfalls für eine ewige digitale Kopie der Dokumente. Diese Kopien können mit jedem handelsüblichen Computer ausgelesen werden. Das Datenschutzproblem ist besonders problematisch, da fast alle Geräte geleast werden und nach dem Ende des Leasingzeitraums den jeweiligen Copy-Shop samt gespeicherter Daten verlassen. Die sensitiven Daten werden somit an Dritte übergeben.
Ich finde es erschreckend, dass sich Mitarbeiter von Copy-Shops nicht mit dem Thema Datenschutz beschäftigen müssen. Eigentlich müsste man solche Läden beim Berliner Datenschutzbeauftragten melden. Zumindest sollte man wichtige Dateien nicht in öffentlichen Copy-Shops verarbeiten.
Weitere informationen zum Thema bietet der SZ-Artikel “Voller Geheimnisse“.
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Big Brother, äh Google is watching you!
Mai 30th, 2007 | By Phil v. Sassen | Category: Web2.0Die Furcht vor einem “Orwelschen Big-Brother-Szenario” ist durchaus begründet. Google weitet die Sammlung personenbezogener Daten aus und wird zukünftig nicht mehr nur online agieren. Neben der Onlinevermarktung werden klassische Kommunikationskanäle in das Portfolio des einstiegen Suchmaschinenanbieters integriert. Seit längerer Zeit kann Google nicht mehr nur als Suchmaschine bezeichnet werden. Mit unterschiedlichen Services erweitert man die Erhebung personenbezogenen Daten und wertet Verhaltensmuster konsequent aus. Der Grossteil der Internetnutzer ist sich der Gefahr, die von Google ausgeht nicht bewusst. Welche Möglichkeiten Google bereits heute zur Erweiterung von Profilen nutzt zeigt der Film „Master Plan“. Das Argument, man hätte nichts zu verbergen, ist sehr gefährlich. Zum heutigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht abschätzen, in welcher Form Daten zukünftig genutzt werden und welche Gefahren für Google-Nutzer entstehen.
Gestern wurde auf der where 2.0 Konferenz eine neue Funktion für Google-Maps vorgestellt: Street View. Die jüngsten Aktivitäten des IT-Unternehmens lassen Datenschützer aufhorchen. Neben der herkömmlichen Karten- und einer Satellitenperspektive zeigt Stret View dem Nutzer 360-Grad-Bilder von Strassenzügen innerhalb Google Maps. Bis heute wurden die Francisco Bay Area, New York, Las Vegas, Denver sowie Miami aufgenommen. Um die Bilder der Innenstädte zu sammeln wurden Panoramakameras auf Fahrzeuge montiert, die Strassenzug für Strassenzug abgefahren sind. Vor einigen Jahren fuhren ähnliche Kleintransporter durch deutsche Städte. Aufgrund heftiger Proteste seitens Datenschützern wurden die Aufnahmen jedoch eingestellt. Man fürchtet Rückshlüsse auf die sozialen Verhältnisse der Bewohner fotografierter Strassen. Anhand von parkenden Autos und den detailierten Bildern von Gebäuden hätte man leicht Rückschlüsse ziehen können, die man Marketingunternehmen verkauft hätte. Ob Google Street Views auch in Deutschland anbieten wird, steht noch nicht fest. Eventuell schützen uns die Datenschutzbestimmungen, welche bei uns wesentlich umfangreicher sind als in den Staaten.
Erste Bilder aus den USA entkräften die geäusserten Befürchtungen nicht. Nummernschilder und Gesichter sind deutlich zu erkennen. Die Debatte um Google Street View hat noch nicht wirklich begonnen und wird momentan „nur“ in der Blogosphäre ausgetragen. Ich gehe davon aus, dass sich bald die „üblichen Verdächtigen“ melden und dann wird auch dem „Durchschnittsbürger“ der Atem stocken…
Google stellt den neuen Service in einem Video vor.
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