Ein Bayer in Seoul | Beckenbauer on the Road
Okt 20th, 2005 | By Phil v. Sassen | Popularity: 2% | Category: Phil, South KoreaEin kleiner Nachtrag aus meiner Zeit in Seoul:

Im nächsten Jahr wird die Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen. Sportbegeisterte aus der ganzen Welt fiebern diesem Megaevent entgegen. Um für die WM 2006 zu werben und möglichst viele ausländische Gäste zu begeistern, tourt der Wanderzirkus des DFB derzeit um die Welt.Wir hatten die Ehre und durften die Roadshow in Seoul besuchen und lauschten Wolfgang Niersbach (OK-Vizepräsident) und Franz Beckenbauer andächtig.
Wir Deutschen sind noch immer von der WM in Korea und der guten Stimmung der Fans begeistert und hoffen, dass auch wir emotionslosen Deutschen ein ähnlich positives Bild unseres Landes zeigen können. Auch wenn die Koreaner voraussichtlich nicht Weltmeister werden, wissen wir schon heute, dass die asiatischen Fans uns weit voraus sind: “Clap-kuh-clap clap clap clap Dae-han Min-guk!” bzw. “Oh! Pilsung Korea! Oh Pilsung Korea! Oh Pilsung Korea! Ole ole ole Aiy Aiy Aiy!”
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Das ist doch wohl völliger Schwachsinn. Das kann nur jemand behaupten, der überhaupt keine Ahnung vom Fussball hat. Asiatische Fans sind furchtbar. Die brüllen im Stadion an völlig falschen Stellen, weil sie das Spiel nicht verstanden haben und zerstören so jegliche Atmosphäre. Wie Frauen…
Also, ich habe mich vor Ort (Seoul) von den Koreanern überzeugt. Wissenschaftlich wurde diese Phänomen übrigens auch schon analysiert.
Es empfiehlt sich zu denken bevor man in der Öffentlichkeit posted…
Also ich muss sagen, daß das erste Post vielleicht sprachlich ein wenig arg übertrieben ist, doch ein wenig ist an der Materie schon dran. Ich sehe den Fussball-Enthusiasmus der Koreaner auch bei weitem nicht so mit einer rosaroten Brille. Ich war hier öfter bei Fussballspielen (Liga und National) und muss sagen, daß die Koreaner eindeutig wenig am Sport als vielmehr am Event interessiert sind. Man kommt ins Stadion weil es schick ist oder weil ein einziger berühmter Spieler kommt (was anderes kann man doch nicht ernsthaft behaupten, wenn man sich die klägliche Präsenz bei Ligaspielen in den tollen Arenen ansieht. Bei einem potentiellen Einzugsgebiet von 23mio Menschen im Großraum Seoul, schaffen es gerade mal durchschnittlich 20.000 Menschen wöchentlich in das Erstligastadion der Hauptstadt. Davon feiern und singen aktiv 5000! - Ich stand mehrfach in der Fankurve!). Die während der WM gezeigten enthusiastischen Feiern wurden nicht mal im Ansatz wiederholt (Selbst nicht im Asiencup. Wohl auch da die Formkurve das Nationalmannschaft stark nach unten tendiert). Meiner Meinung nach rührten diese rein und ausschließlich aus dem jungen und z.T. reichlich übertriebenen Nationalstolz der Koreaner. Siehe dazu den lesenswerten Artikel von Stefan (http://www.stefan-in-korea.de/korea/stefan_in_korea/tagebuch/single_view.shtml?blogid=105&PHPSESSID=3d21b6e36a37d9080ced75981b310094). Fußballenthusiasten sind sie definitiv nicht, soviel steht fest - und hinzufügen möchte ich auch noch, daß sich die Koreaner, die ich in den letzten acht Monaten kennen gelernt habe, auch in aller Regel nicht als extrovertierte Menschen präsentierten. (Es sei denn sie sind voll - und in diesem Zustand tanzen auch Russen auf dem Tisch!)
Außerdem denke ich, daß wir auch als Fans im kommenden Jahr ein gutes Bild abgeben werden (solange “wir” nicht in der Vorrunde rausfliegen
In diesem Sinne…